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E-Board - Begriffe aus der Skate-Szene


#1

Ab und an rutschen mir mal Wörter raus, bei denen Leute, die noch nie etwas mit Skaten zu tun hatten, wahrscheinlich komisch gucken und sich denken “Aus welcher Anstalt ist der denn geflohen?”. :wink:
Diese Worte möchte ich hier auflisten und erklären, was dahintersteckt.

Ich habe mich entschieden, noch etwas weiter auszuholen.;o)
Nach und nach werde ich die einzelnen Themen in der Gliederung als Beiträge in diesem Thema veröffentlichen und die Beiträge dann in der Gliederung verlinken. So sollte das ganze doch noch halbwegs übersichtlich bleiben (auch wenn die Beiträge ggf. “etwas länger” werden).:grin:

Gliederung:

  • Allgemeines/Disziplinen
    Aufbau eines Boards:
  • Achsen/Trucks
  • Bushings/Lenkgummies
  • Deck
  • Kugellager/Bearings
  • Wheels/Rollen
  • Sonstiges Zubehör

#2

#Allgemeines

Skateboarden entstand in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts.
Die Rollen wurden anfangs, sofern vorhanden, von Rollschuhen übernommen. Für die Achsen haben einige auch die Grundplatte des Rollschuhs zersägt. Nicht jeder hatte Rollschuhe zur Verfügung, so sind zum Teil recht abenteuerliche Boards mit z.B. Metall-, Holz- oder Keramik-/Tonrollen und eigenen Achskonstruktionen entstanden.
Das Deck selbst bestand aus Holz. Häufig war es einem Surfboard nachempfunden.
Ende der 60er Jahre wurde das Kicktail entwickelt, damit war u.a. das Lenken/Manövrieren einfacher geworden.
Kurze Zeit später kam die Urethanrolle dazu, damit wurde das Fahren komfortabler. Die ersten Rollen kamen von Cadillac-Wheels, die Marke gibt es heute noch.
In den 70er Jahren entstanden weitere Rollenhersteller und auch die Achsen wurden weiterentwickelt. Ende der 70er Jahre erfand Alen “Ollie” Gelfand den “Ollie”, damit konnten dann auch Hindernisse wie z.B. Bordsteinkanten beim Streetskaten leicht überwunden werden.

Skateboards sind sich im Grundaufbau bei jeder Disziplin ähnlich, es gibt aber doch einige wichtige Unterschiede. Auf diese möchte ich nach einer kurzen Erklärung der jeweiligen Disziplin kurz eingehen.


#Disziplinen

Street

Mit dem Skateboard werden während der Fahrt Hindernisse (Obstacles) auf der Straße überwunden. Ziel ist es, dieses möglichst stilvoll/fließend, trickreich oder spektakulär zu machen, klappt nicht immer.
Es wird mit einem rel. schmalen Board (ca. 20cm breit, 80cm lang) und kleinen, harten Rollen (~50-54mm, 94 bis >100a) gefahren. Die Enden der Achsstifte schließen im Regelfall mit der Deckaußenkante ab.

##Park

Entstand aus dem Streetskaten. Im Park kann man gezielt Lines fahren/mehrere Tricks hintereinander an verschiedenen Obstacles kombinieren. Es sind ähnliche Hindernisse aufgebaut, wie sie auch beim Streetskaten auftauchen, z.B.Stairs (Treppen/Stufen), div. Rails (Geländer), Curbs (Kanten/Absätze), Kicker (Sprungschanze), Banks etc.
Das Skateboard ist das gleiche wie beim Streetskaten, es werden zum Teil aufgrund der besseren Bodenbeschaffenheit im Park andere Rollen mit härterer Mischung gefahren

##Pool

In den Anfängen sind einige Skater in den USA in Hinterhöfe geschlichen und dort mit ihren Boards in den Pools gefahren, diese waren damals noch rund.
Die Pools in Skateparks sind diesen Pools nachempfunden, ab und an ist eine Treppe oder/und Gaps (Lücken) als Obstacle eingearbeitet.
Gefahren wird mit etwas breiteren Decks (breiteres Streetdeck oder Oldschooldeck), dementsprechend auch etwas breitere Trucks und Wheels mit einem Durchmesser um die 60mm.

##Vert/Halfpipe

Die Halfpipe sieht, wie der Name schon sagt, wie ein halbes Rohr aus, das wie ein “U” liegt. Die Skater starten entweder durch einen DropIn von einer der beiden Seiten oder “schaukeln” sich langsam hoch und gewinnen dadurch an Geschwindigkeit, um entweder Air-Tricks (Spins, Grabs, Flips,…) in der Luft oder Lip-Tricks, Grinds, Slides an der Coping (Oberkante der Halfpipe) zu machen,
Das Board ist das gleiche wie beim Poolfahren.

##Freestyle

Beim Freestyle-Skaten werden unterschiedliche, variantenreiche Tricks und Eigenkreationen gemacht. Es werden keine Hindernisse überwunden, die Tricks finden im Regelfall an einer ebenen, festen Position statt. Es ist viel “Fußfertigkeit” gefragt.
Das Freestyleboard ist etwas kleiner als ein Streetboard, Nose und Tail sind gerade geschnitten, um Tricks, bei denen man auf Nose/Tail steht, zu erleichtern (z.B. “Pogo-Stick”). Es werden unterschiedliche Rollen verwendet, beim Pirouettendrehen sind diese bspw. häufig aus Metall.

##Cruisen

Beim Cruisen fährt man gemütlich durch die Gegend und genießt die Aussicht, fährt einkaufen, zur nächsten Vorlesung oder trifft sich einfach mit Freunden.
Im Prinzip kann man mit jedem Board cruisen, einige Boards sind aber doch etwas angenehmer, gerade für längere Fahrten oder für den Einkaufsbummel.
Das Board sollte nicht zu lang und damit sperrig sein, die Achsen eher schmaler, mit weichen, dem eigenen Gewicht angepasste Lenkgummies und höherem Lenkwinkel und damit lenkfreudiger und besser geeignet für den “Fußgängerslalom”.
Bei Topmount-Boards kann man von der Rollengröße her je nach Deck bis ca. 70mm gehen, sonst wird es zum Pushen unangenehm hoch. Bei DropThrough-Boards oder Decks mit Cutouts (im Idealfall mit abgesenkter Standfläche) bieten sich um die 76mm an. Die Rollenhärte sollte um die 80a betragen, bei großem Kern oder leichterem Fahrer auch weniger.
Die Deckbreite und das Concave sollten sich auch an der Schuhgröße orientieren, damit auf Dauer keine Schmerzen im Fuß entstehen. In der Stadt bietet sich zudem ein Kicktail an, um die ein oder andere Bordsteinkante überwinden zu können (für Boards ohne Kicktail gibt es aber auch Möglichkeiten). Ein Deck mit leichtem Flex ist insbesondere bei Fahrten über gröberes Pflaster recht angenehm, da es einiges an Unebenheiten dämpft.

##SDP/LDP (Pumpen/Pushen)

SDP steht für Short Distance Pumping, LDP für Long Distance Pumping. Beim Pumpen wird über Körperrotation und Schwingung Vortrieb erzeugt, ohne einen Fuß vom Board zu nehmen (Ausnahme: Beim Anpushen). Das funktioniert am besten in leichtem Gefälle und auf ebener Strecke. Geübtere Fahrer können Boards auch leichte Steigungen hinauf pumpen.
SDP-Boards gehen schon stark in Richtung Slalomboard (Wheelbase um die 60cm, es wird mit kurzen, schnellen Bewegungen gepumpt), LDP-Boards sind etwas länger, die Wheelbase (Radstand) liegt bei um die 70 bis 80cm. Das Deck sollte möglichst wenig Flex (vertikale Durchbiegung) und Torsion (Drehung um Längsachse) haben. Die Achsen sind eher schmal (≤150mm), die Vorderachse hat in vielen Fällen durch Keilung einen recht hohen Lenkwinkel und sehr weiche Bushings (häufig Cones) und ist damit sehr agil, die Hinterachse ist träge gekeilt. es gibt auch winkelverstellbare Achsen und Achsen mit unterschiedlichen Baseplates, die eine Keilung unnötig machen. Die Rollen sollten möglichst viel Grip haben, d.h. scharfe Kanten, um die 80a und einen Durchmesser zwischen 70 und 76mm. Einige fahren hinten weichere Rollen als vorn, um ein Ausbrechen des Tails zu vermeiden.
Eine weitere Variante des LDP ist das Long Distance Pushen. Hier wird ein Board mit möglichst tiefer Standfläche und großen Rollen (≥76mm) gefahren, um längere Strecken zurückzulegen. Hilfreich ist es hier, switch fahren zu können (vorderes Bein hinten, hinteres Bein vorn) und mongo pushen zu können (statt mit dem hinteren Fuß mit dem vorderen pushen). So kann man das Push-Bein auf längeren Strecken mal tauschen und Körperbelastungen variieren.

##Slalom (Tight, Hybrid, Giant)

Hier wird mit einem speziellen Board ein vorher mit Cones (Hütchen) oder anderen Markierungen abgesteckter Kurs möglichst schnell mit möglichst wenig Fehlern gefahren (Kurslänge liegt bei 25-100 Hütchen). Je nach Abstand der Markierungen und dementsprechend schnellerem oder langsamerem Richtungswechsel wird zwischen Tight-, Hybrid- und Giant- Kursen unterschieden. Bei Tight-Kursen liegt der Hütchenabstand um 1,5-2,5m, bei Giantt-Kursen um 3-5m, bei Hybrid-Kursen um 2-3m. Die Wheelbase des Boards ist entsprechend an die Kurse angepasst. Es werden häufig HighTech-Materialien verwendet, z.B. Foamcore-Decks mit Carbon und CNC-gefräste, gelenkgelagerte, winkelverstellbare Achsen, um auch noch das letzte Quäntchen Zeit herauszuholen. Gestartet wird entweder von einer Rampe oder der Kurs wird direkt an einem leichten Gefälle gefahren.
Ein Slalomboard wird auf Geschwindigkeit, Wendigkeit und Traktion ausgelegt. Das Setup (Achsen, Lager Rollen, Bushings) ist vergleichbar mit einem Pumpsetup, vorn wendig, hinten träge. Einige fahren auch hier hinten weichere Rollen, Rollenhärte um die 80a (je nach Belag härter oder weicher) und scharfe Kanten für ausreichenden Grip in Kurven.

##Carven

Beim Carven wird in langen, großen Schwüngen bergab gefahren. Gecarvt wird, um die Geschwindigkeit beim Bergabfahren zu verringern bzw. um in gemäßigtem Tempo eine steile Strecke hinabzukommen.
Ein Carve-Board sollte wendige Achsen (min 45°, weiche Lenkgummies, häufig Cone-Bushings,) grippige Rollen (scharfe Kanten, 80a oder weicher, um die 76mm) und Cutouts am Deck haben, um ein tiefes Einlenken ohne Wheelbites und Ausbrechen der Rollen zu ermöglichen.

##Dancen

Dancer fahren meist relativ lange Boards (120cm und länger) und führen auf diesen während der Fahrt verschiedene Tricks aus, z.B. CrossSteps, Drehungen mit oder ohne Board, Fliptricks, Sprünge… Das Deck hat Flex, ein geringes Concave und mildes Griptape/Cleargrip. Die Achsen haben um die 50°, je nach Deck 150mm oder 180mm Hangerbreite und sind mit eher weichen Bushings ausgestattet.

##Freeride

Das Ziel beim Freeride ist es nicht, in möglichst kurzer Zeit eine Strecke zurückzulegen oder mit hoher Geschwindigkeit einen Berg hinabzukommen, sondern beim leichten oder auch schnelleren Bergabfahren möglichst viel Spaß zu haben, dabei den ein oder anderen Trick oder Slide zu machen, mal ‘nen abgesenkten Bordstein hochzufahren, um einen Absatz herunterzuspringen oder über die Kante zu sliden/grinden oder auch einfach während der Fahrt am Straßenrand die Hinterachse ausbrechen zu lassen und etwas Staub aufzuwirbeln.
Durchs Freeriden macht man sich auch mit der Strecke vertraut und kann so bei Rennen gegenüber ortsfremden Fahrern einen Vorteil haben.
Freerideboards sind häufig symmetrisch (Nose und Tail gleich), um problemlos Fakie (rückwärts) weiterfahren zu können, bspw. nach einem 180°-Slide. Einige Decks haben auch eine kleine Kicknose und Kicktail. Die Standfläche ist meist etwas gedropped (abgesenkt) oder/und die Achsen werden dropthrough montiert. Der Achswinkel liegt bei um die 45°-52°, Rollen haben abgerundete Kanten und sind eher härter (um 84a) und kleiner (um 70mm Ø, 30-40mm Breite) oder/und haben eine spezielle Slide-Urethanmischung, um ein leichteres Ausbrechen, einen gleichmäßigeren Slide und einen smootheren HookUp nach dem Slide zu ermöglichen.

##Sliden/Techslide

Sliden bezeichnet das seitliche/schräge Rutschen über die Rollen. Wichtig ist hier, dass das Board nicht 90° zur Fahrtrichtung steht, sondern immer leicht schräg, damit die Rollen sich noch etwas drehen und keine FlatSpots entstehen. Beim Sliden, speziell beim Techslide, werden an einer abschüssigen Strecke unterschiedlichste Drehungen und Slidevarianten ausgeführt, wie z.B. Sliden auf einer Achse, mit den Händen auf der Straße (Coleman-Slide bspw.), 180°/360°/540°/…-Drehungen, StandUp-Slides etc. Das Deck beim Techsliden ist häufig ein etwas größeres Streetdeck mit harten Rollen, speziellen Slidewheels um die 60mm, und einer Wheelbase, die etwa der Schulterbreite entspricht, um mit den Füßen direkt auf den Achsen stehen zu können. Ansonsten werden, wenn es nicht rein um die Technik geht, auch Freerideboards mit weicheren Slidewheels zwischen 80a und 86a gefahren.
Der Rekord für den schnellsten Longboardslide wird von Patrick Switzer gehalten und liegt bei 100km/h (inoffiziell).

##Downhill

Beim Downhill wird schnellstmöglich eine festgelegte Strecke hinabgefahren. Es gibt Strecken, die eher auf Geschwindigkeit ausgelegt sind und kurvenreichere Strecken z.T. mit Schikanen, bei denen es auf die richtige Fahrtechnik ankommt (technischer Downhill).
Das Board wird je nach Strecke eher auf Grip für Geschwindigkeit (Topmount, weiche Rollen ≤80a mit scharfer Kante) oder auf Fahrtechnik, z.B. um Kurven driften, kurz vor Kurve oder Schikane mit einem Slide Geschwindigkeit rausnehmen, ausgelegt (gedropptes oder/und DropThrough-Deck, abgerundete oder eingebrochene Rollen). Die Achswinkel liegen um ≤45°, z.T. wird auch SplitAngle gefahren (unterschiedliche Winkel bei den Achsen).
Der offizielle Geschwindigkeitsrekord liegt aktuell bei 129,94km/h (80,74mph) und wurde von Mischo Erban erreicht (inoffiziell war er noch etwas schneller). Mischo hält auch den Geschwindigkeitsrekord auf dem E-Board mit 95,83km/h (59,55mph).

##Buttboard

Beim Buttboard sitzt der Fahrer auf einem etwas breiteren Board und fährt möglichst schnell einen Berg hinab. Gelenkt wird über Gewichtsverlagerung, häufig befinden sich noch Griffmulden am Rand des Decks. Gebremst wird mit den Füßen. Die Decks sind breiter als normale Longboards, es werden gängige Longboardachsen (≥180mm) und grippige Rollen (scharfe Kanten, ≤80a, um 70mm) gefahren.

##Streetluge

Der Fahrer liegt auf einem gepolsterten Holz- oder/und Metallgestell mit seitlichen Griffen, teils leicht aerodynamisch verkleidet, und fährt mit den Beinen voran den Berg hinunter. Auch hier werden wieder Achsen ≥180mm und grippige Rollen (scharfe Kanten, ≤80a, um 76mm) aus dem Longboardbereich verwendet. Da bei einigen Luges vorn und/oder hinten zwei Achsen direkt hintereinander montiert werden, gibt es hier auch einige interessante Spezialanfertigungen, bspw. Doppelbaseplates mit unterschiedlichen Winkeln für eine feste Wheelbase, um Reibungswiderstände beim Lenken in Kurven zu minimieren.
Der offizielle Geschwindigkeitsrekord liegt hier aktuell bei 157,41km/h und wird von Cédric Touchette gehalten.

##Skullboard

Ein Skullboard ist im Prinzip vergleichbar mit einem Streetluge, nur dass hier der Fahrer auf dem Bauch liegend mit dem Kopf voran den Berg runterrollt. Ob hier ein Helm (meist auch noch aus dem Skydiving-Bereich) bei einem Crash mit höherer Geschwindigkeit noch Sinn macht, sei mal dahingestellt…
Jedenfalls werden auch in diesem Bereich Longboardachsen ab 180mm und möglichst grippige Rollen verwendet.


  • ACHTUNG:
    Wichtig bei allen Disziplinen ist es, auf eine ausreichende Schutzausrüstung zu achten, ein Halbschalenhelm ist das Minimum. Beim Sliden, Slalom und in Park/Pool/Pipe sollten dazu noch min. Ellenbogen- und Knieschoner getragen werden, bei höheren Geschwindigkeiten mit dem Longboard CrashPants und Rückenprotektor bzw. wenn es dann wirklich schnell wird Lederkombi und Fullface. Grundsätzlich sind dazu noch SlideGloves zu empfehlen (Handschuhe mit Plastikscheiben auf den Handflächen).